Zweiundzwanzig Jahre, eine offene Tür
Wie zwei Jahrzehnte Hausaustausch aus einem skeptischen deutschen Dorf das "Warum solltest du?" in unser "Warum solltest du nicht?" verwandelten.
Annelies
30. Sept. 2026 · 4 Min. Lesezeit

Vor zweiundzwanzig Jahren, als wir zum ersten Mal der Austauschgemeinschaft beitraten, war die Vorstellung, völlig Fremde in unserem Haus wohnen zu lassen, ziemlich ungewöhnlich, besonders in unserer schönen, aber ländlichen Gegend im Süden Deutschlands.
Damals waren wir das einzige Haus in unserer Gegend.
Unsere Nachbarn waren – und einige sind es immer noch – ziemlich skeptisch. "Aber wie kann man einfach Fremde in sein Haus lassen?" Das ist eine Frage, die wir im Laufe der Jahre oft gehört haben.
Nach 22 Jahren fragen wir uns jedoch etwas ganz anderes: Warum sollte man es nicht tun?
Wir haben so viele wunderbare Erfahrungen gemacht, sowohl in Europa als auch darüber hinaus. Natürlich muss man manchmal akzeptieren, dass Menschen anders leben als man selbst oder dass etwas vielleicht nicht genau so ist, wie man es verlassen hat. Aber insgesamt drehten sich unsere Austausche um Vertrauen, Neugier und die Freude, unser Zuhause zu öffnen – und von jemand anderem zu haben, der uns sein Zuhause öffnet.
Viele Jahre lang war der Wohnungstausch ganz einfach. Jeden Sommer organisierten wir einen drei- oder vierwöchigen gleichzeitigen Austausch: Wir wohnten bei jemand anderem, während er bei uns wohnte.
Manchmal tauschten wir während der Frühlings- oder Herbstferien eine Woche aus und organisierten manchmal ein langes Wochenende in der Nähe. Es musste nicht immer eine große Reise sein. Ein paar Tage in einer anderen Stadt oder Region konnten ausreichen, um uns das Gefühl zu geben, etwas Neues zu entdecken.
Es war eine wunderbare Art zu reisen. Wir besuchten nicht nur ein Ziel; wir lebten eine Zeit lang in einem Viertel. Wir kauften in lokalen Geschäften ein, kochten in der Küche eines anderen, fanden Orte, die nicht unbedingt in den Reiseführern standen, und erlebten das Alltagsleben in einem anderen Land.
Dann änderte sich der Haustausch
Die Pandemie war ein Wendepunkt, sowohl für das Reisen als auch für die Gemeinschaft.
Das alte Modell "Du bleibst in meinem Haus, ich bleibe in deinem" wurde allmählich weniger wichtig. Neue Möglichkeiten entstanden, darunter nicht-gleichzeitige Tausche und Tausch gegen Tokens.
Für uns hat das eine völlig neue Art des Reisens eröffnet. Ein Austausch kann zum nächsten führen, manchmal mit verschiedenen Menschen in einem völlig anderen Land.
Die Art und Weise, wie wir austauschen, hat sich verändert, aber nicht das, was wir am meisten schätzen: mit einem Gefühl der Verbundenheit zu reisen, anstatt einfach nur einen Schlafplatz zu buchen.
Die größte Konstante all die Jahre ist, dass wir es lieben, neue Orte zu entdecken – nicht unbedingt die Orte, die alle anderen besuchen.
Natürlich sind beliebte Reiseziele aus guten Gründen beliebt, und wir lieben es, auch diese zu besuchen. Aber es ist etwas Besonderes, eine Region zu finden, die noch kein Massentourismusziel geworden ist. Einen Ort, an dem man in ein kleines Restaurant schlendern kann, durch die schöne Landschaft fahren oder ein Dorf entdecken kann, ohne das Gefühl zu haben, Teil eines Touristenzirkels zu sein.
Das bringt uns zu dem Punkt, an dem wir jetzt stehen

Wir erkunden derzeit die Bourbonnais im Zentrum Frankreichs. Und was für eine schöne Überraschung das ist.
Die Region scheint dem Touristenradar entgangen zu sein. Es gibt sanfte Landschaft, schöne alte Dörfer, historische Städte, wunderbares Essen und die markanten weißen Charolais-Rinder auf den Feldern.
Es fühlt sich friedlich und sehr französisch an – genau die Art von Ort, die wir gerne entdecken.
Vielleicht ist das das, was uns 22 Jahre Haustausch mehr als alles andere gelehrt haben. Reisen bedeutet nicht, Ziele von einer Liste abzuhaken. Es geht darum, irgendwo lange genug zu bleiben, um Dinge zu bemerken: ein Dorf, das wir sonst vielleicht übersehen hätten, einen Markt, auf den wir stoßen, ein kleines Restaurant oder eine Landschaft weit entfernt von den üblichen Reiserouten.
Vor zweiundzwanzig Jahren öffneten wir unsere Haustür für Fremde. Wir hatten keine Ahnung, wie viele Türen diese Entscheidung uns weltweit öffnen würde.
Und nach 22 Jahren öffnen wir sie immer noch – trotz dessen, was einige unserer deutschen Nachbarn vielleicht denken. 🏡
Kommentare (8)
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Annalise, how well you have expressed what I appreciate most about home exchange. It has never been about site seeing. It is about opening our home and ourselves to the world. What a positive and powerful difference this has made in my life, in Glenn’s life, and because of the interesting shared experiences, in the life of our relationship. When we began home exchanging the number one question we received was, “Aren’t you worried people will go through your drawers?” Makes me wonder if they think home exchangers planning conversations begin: “Let’s arrange a swap in <insert country name here>. I’ve always been curious about what they keep in their drawers.” 😉 It also makes me wonder how my friends spend their vacation time… 😂 Cheers 🥂
This week I had the pleasure of hosting Cassandra and her 2 kids on the Irish leg of their journey and for 2 nights I got to revel in the joys of discussing travel and home exchange with someone who really gets it. We talked about so much of what you've said and that chance to find the little unknown places is one of my favourite things about exchanging.... among 100 other favourite things 😅. I've only been exchanging for 5.5 years but in that time have done 40 exchanges. A lot of people think it's great and a lot think I'm crazy, they love my exchange stories regardless yet no one has been convinced to try it themselves. They take the website address and are curious but don't follow through. They just have no idea what they're missing!
Hi Annelies, What a lovely surprise to see your face popping out of the window of our home in the Jordaan/Amsterdam. It was such a joy to host you and Winfried last year so you could support your daughter to finish her degree at the University of Amsterdam. And we, in turn, thoroughly enjoyed our return visit to your lovely home in Immenstadt am Bodensee this summer. While we have travelled quite some places in the world, we never took time to visit our neighbouring country Germany. We really relish that visit and stay at your cosy home and garden. Apart from the lovely nature, typical villages, nice wines, good food, bike rides and boat trips, we got surprisingly impressed by the Zeppelin museum and its outstanding exhibition "Gefühltes Wahrheit" , an expo that we list in our top 10. Looking forward crossing roads with you one day. Warm regards, Lizette/Arnold Amsterdam.
We have come to love the small non touristy parts of the world and exploring those beautiful places. Getting to know people is also such a bonus!! 💕
An echo of our experience, from the disbelief of family and friends that we'd let "strangers" stay in our home to the disbelief of a railway station attendant that anyone from Australia would want to exchange to their village ! Our lives have been massively enriched by the people we've met, the quiet ( and not so quiet) corners of the world we've discovered and the incredible adventures we've experienced, few of which would have been possible if not for home exchanging. I'm writing from NZ where I'm staying in an exchange property in Wellington. We've been through Wellington before but never " had time" to explore it properly. But that's what I'm doing. Today was a trip to a beach to search for sea glass and now I'm sitting quietly reading and doing some stitching ! The week ahead promises lots more local bus rides to check out the surrounds, doing some walks, exploring of galleries and perhaps a train ride up the coast for a day trip. We'll see how the weather pans out before making too many decisions.
You know, all our friends think we're crazy! 😂 Let us know if you'd like to tell your exchanging story on our blog too.
I love your story so much! Home exchange has been a big part of my life since 2010. I agree, we're so fortunate! I'm so grateful for all of the opportunities that home exchanging has provided. It's great to have more people like us! Everyday is a school day.
Every day is a school day .. love it! ❤️